Kaffee – Genussmittel mit überraschender Geschichte und besserem Ruf
Ob im Kaffeehaus, unterwegs oder zu Hause am Küchentisch: Kaffee hat in Österreich einen festen Platz im täglichen Leben. Seit Jahrhunderten geschätzt, zählt er heute zu den meistkonsumierten Genussmitteln – meist in einer Menge von rund zwei bis drei Tassen täglich.
Besonders beliebt ist Kaffee in Tirol, Vorarlberg und Salzburg, wo die höchsten Pro-Kopf-Verbräuche verzeichnet werden. Vor allem jüngere Erwachsene trinken Kaffee häufig unterwegs: rund 80 % der 15‑ bis 39‑Jährigen genießen Coffee to go. Damit ist Kaffee nicht nur Muntermacher, sondern für viele Menschen ein festes Ritual, das in allen Altersgruppen und Regionen Österreichs präsent ist. Trotz seiner großen Beliebtheit war Kaffee lange Zeit umstritten. Schon früh gab es die Befürchtung, dass er der Gesundheit schaden könnte, insbesondere dem Herzen. Eindeutige Belege dafür ließen sich jedoch nie finden.
Ein ungewöhnliches Experiment aus dem 18. Jahrhundert
Wie früh die Diskussion um mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Kaffee begann, zeigt ein heute legendäres Experiment aus Schweden: König Gustav III. war von den angeblichen Gefahren des Kaffees überzeugt und wollte diese wissenschaftlich prüfen. Zu diesem Zweck begnadigte er ein zum Tode verurteiltes Zwillingspaar und wandelte die Strafe in lebenslange Haft um – unter einer außergewöhnlichen Bedingung. Einer der beiden Brüder musste für den Rest seines Lebens täglich drei Kannen Kaffee, der andere die gleiche Menge Tee trinken.
Zwei Ärzte sollten das Experiment überwachen und den Gesundheitszustand dokumentieren. Doch noch vor dessen Abschluss starben beide Ärzte, ebenso der König selbst – allerdings infolge eines Attentats. Der Teetrinker soll im Alter von 83 Jahren verstorben sein; über das Lebensalter des kaffeetrinkenden Zwillings ist nichts Genaues überliefert. Auch wenn dieses Experiment aus heutiger Sicht weder ethisch noch wissenschaftlich belastbar ist, verdeutlicht es, wie lange Kaffee bereits im Fokus gesundheitlicher Debatten steht.
Was moderne Studien zeigen
Moderne Studien liefern inzwischen deutlich verlässlichere Daten und zeichnen ein überwiegend positives Bild. Eine der wenigen randomisierten kontrollierten Studien zum Kaffeekonsum ist die sogenannte DECAF-Studie. Sie untersuchte 200 Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern nach elektrischer Kardioversion. Das Ergebnis war überraschend: Personen, die vollständig auf Koffein verzichteten, hatten ein höheres Risiko für ein Wiederauftreten der Herzrhythmusstörung als Teilnehmende mit moderatem Kaffeekonsum (etwa sieben Tassen pro Woche).
Für die Praxis bedeutet das: Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern, die regelmäßig Kaffee trinken, können in der Regel beruhigt werden. Ein moderater Konsum scheint nicht schädlich zu sein und könnte sogar einen schützenden Effekt haben. Da der Verzicht auf Kaffee für viele Menschen eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität darstellt, ist diese Erkenntnis von großer Bedeutung.
Ob Menschen, die bislang keinen Kaffee trinken, aus gesundheitlichen Gründen damit beginnen sollten, lässt sich hingegen nicht eindeutig beantworten – hier ist Zurückhaltung angebracht.
Was dennoch zu beachten ist
Trotz der insgesamt beruhigenden Daten gilt: Kaffee ist nicht für jede Situation unproblematisch. Bei anderen Herzrhythmusstörungen, insbesondere ventrikulären Arrhythmien, ist Vorsicht geboten, da frühere Studien auf ein erhöhtes Risiko hingewiesen haben. Zudem kann Koffein mit verschiedenen Arzneimitteln Wechselwirkungen verursachen.
So hemmen beispielsweise das Antibiotikum Ciprofloxacin oder das Antidepressivum Fluvoxamin den Koffeinabbau, was zu verstärktem Herzrasen oder Unruhe führen kann. Koffein kann außerdem die Aufnahme des Schilddrüsenmedikaments Levothyroxin reduzieren. Auch die Wirksamkeit von Osteoporosemitteln wie Alendronat oder Risedronat kann durch gleichzeitigen Koffeinkonsum beeinträchtigt werden.
Auch eine klare Obergrenze für eine potenziell schädliche Menge an Kaffee oder Koffein, etwa in Form von Energy-Drinks oder Tabletten, ist bislang nicht eindeutig definiert.
Bedeutung für den Alltag
Kaffee ist für viele Menschen in Österreich fester Bestandteil des täglichen Lebens – meist in einer Menge von rund zwei bis drei Tassen täglich. Die aktuelle Studienlage zeigt, dass ein moderater Kaffeekonsum in der Regel gut verträglich ist und bei bestimmten Herzrhythmusstörungen nicht pauschal vermieden werden muss.
Wie so oft gilt: Maß halten, auf den eigenen Körper hören und bei Fragen oder möglichen Wechselwirkungen beraten wir Sie gerne persönlich.
Literatur
Tchibo & NIQ/GfK. (2025). Kaffee‑Fakten 2025: Über 1.000 Tassen – so viel Kaffee trinken Österreicher*innen pro Jahr. Presseinformation Tchibo Österreich https://www.tchibo.com/media/pages/at/de/news/2025/uber-1-000-tassen-so-viel-kaffee-trinken-osterreicher-innen-pro-jahr/cf66e79cd6-1747301666/2025-15-05_pa_uber-1.000-tassen-kaffee-trinken-osterreicher_innen-pro-jahr.pdf?utm_source=chatgpt.com (zuletzt aufgerufen: 24.01.2026)
Ernährung: Die Wunderbohne, Spiegelartikel 2006 https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ernaehrung-die-wunderbohne-a-399983.html (zuletzt aufgerufen: 24.01.2026)
Wong CX, Cheung CC, Montenegro G, et al. Caffeinated Coffee Consumption or Abstinence to Reduce Atrial Fibrillation: The DECAF Randomized Clinical Trial. JAMA. Published online November 09, 2025. doi:10.1001/jama.2025.21056
Der Arzneimittelbrief. 2026;60(8):DB02
American College of Cardiology. DECAF: Does One Cup of Coffee a Day Keep AFib Away? https://www.acc.org/latest-in-cardiology/articles/2025/11/03/16/19/sun-945am-decaf-aha-2025 (zuletzt aufgerufen: 24.01.2026)

