Kokain am Wochenende: Belastung für das Herz
Für viele junge Menschen gehört Kokain beim Fortgehen inzwischen einfach dazu. Man ist mit Freunden unterwegs, jemand hat etwas dabei, und schon fällt das Ablehnen schwer. Dass der Konsum in Wien zunimmt, zeigt sich sogar im Abwasser. Die gemessenen Kokainmengen sind zuletzt innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel gestiegen. Gleichzeitig ist die Ware am Markt derzeit oft deutlich reiner als früher. Wer glaubt, seine gewohnte Menge zu kennen, kann sich daher leicht verschätzen.
Was viele nicht wissen: Kokain ist vor allem eine Belastung für das Herz. Die Substanz verengt die Blutgefäße und treibt Puls und Blutdruck in die Höhe. Auch der Herzrhythmus kann dabei aus dem Takt geraten. In der ersten Stunde nach dem Konsum ist das Risiko für einen Herzinfarkt um ein Vielfaches höher als sonst. Das betrifft keineswegs nur ältere oder vorerkrankte Menschen. Ein Infarkt kann auch jene treffen, die ansonsten ein geringes Risiko für Herzerkrankungen haben.
Besonders heikel wird es, wenn gleichzeitig getrunken wird, und das ist im Nachtleben eher die Regel als die Ausnahme. Treffen Kokain und Alkohol im Körper zusammen, entsteht in der Leber ein neuer Stoff namens Cocaethylen. Er wirkt ähnlich wie Kokain, bleibt aber länger im Körper und verlängert so die Wirkung. Bei dieser Kombination muss das Herz mehr leisten, und das Sterberisiko liegt höher als bei Kokain allein. Dazu kommt ein trügerischer Effekt. Kokain vertreibt zwar die Müdigkeit, die der Alkohol auslöst, an der Alkoholwirkung selbst ändert das aber nichts.
Ein weiteres Problem ist, dass niemand genau weiß, was er eigentlich kauft. Straßenkokain wird häufig gestreckt, unter anderem mit Levamisol. Dieses Mittel stammt aus der Tiermedizin und kann die Abwehrzellen im Blut so stark vermindern, dass schwere Infektionen drohen.
Brustschmerzen oder Atemnot nach dem Konsum sind ein ernstes Alarmzeichen. In so einem Fall zählt jede Minute. Rufen Sie sofort die Rettung unter 144 und sagen Sie offen, was konsumiert wurde. Das hilft den Einsatzkräften, rasch richtig zu handeln.
Vielleicht bemerken Sie bei sich selbst oder bei jemandem aus Ihrem Umfeld, dass aus dem gelegentlichen Konsum mehr wird. Das ist kein Grund zur Scham. Je früher man darüber spricht, desto leichter lässt sich gegensteuern. In Wien bietet checkit!, eine Einrichtung der Suchthilfe Wien, anonyme und kostenlose Beratung an (Telefon 01 4000 53655, www.checkit.wien).
Natürlich können Sie sich auch an uns wenden. Wir beraten Sie vertraulich, etwa wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen und wissen möchten, wie sich diese mit Kokain oder Alkohol vertragen.
Literatur
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ORF Wien. Deutlich mehr Kokainspuren im Abwasser. wien.orf.at/stories/3346012 (auf Basis der EUDA-Abwasseranalyse 2025)

