Das Ozempic-Gesicht
GLP-1-Medikamente haben das Gewichtsmanagement grundlegend verändert. Innerhalb weniger Jahre sind Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid von Nischenpräparaten für Diabetiker zu einem der meistdiskutierten Themen der Ästhetischen Medizin geworden. Doch mit dem Erfolg kam auch eine Nebenwirkung, über die anfangs kaum jemand sprach. Ein auffällig schneller Verlust an Gesichtsvolumen.
Der Effekt ist inzwischen so verbreitet, dass er einen eigenen Namen bekommen hat „Ozempic Face“. Gemeint ist das Bild, das sich in etwa so äußert: eingefallene Wangen, eine schlaffere Haut um Kinn und Kieferlinie, also ein insgesamt müderes, älter wirkendes Gesicht.
Der Grund liegt in der Physiologie des Fettabbaus selbst. GLP-1-Agonisten reduzieren den Appetit so wirksam, dass viele Anwender innerhalb weniger Monate zehn, zwanzig oder mehr Kilogramm verlieren. Das Fettgewebe verschwindet dabei nicht selektiv am Bauch oder an den Hüften, sondern im ganzen Körper. Somit reduzieren sich auch die subkutanen Fettpolster im Gesicht. Diese sind jedoch für ein jugendliches, volles Erscheinungsbild mitverantwortlich.
Bei einem allmählichen, über Jahre verteilten Gewichtsverlust hat die Haut Zeit, sich anzupassen. Kollagen und elastische Fasern bauen sich um, das Gewebe zieht sich nach und nach zusammen. Verläuft der Gewichtsverlust dagegen in wenigen Monaten, kann die Haut mit dem Tempo nicht mithalten. Es bleibt ein Überschuss an loser Haut zurück, der genau dort auffällt, wo er am wenigsten kaschierbar ist, im Gesicht.
In den dermatologischen Ordinationen ist diese Entwicklung längst angekommen. Anfragen nach Volumenaufbau haben spürbar zugenommen, und auffällig oft nennen Patientinnen und Patienten von sich aus eine GLP-1-Therapie als Auslöser.
Für die Praxis bedeutet das ein Umdenken in der Beratung. Wer eine GLP-1-Therapie beginnt oder bereits mitten in einer solchen steckt, tut gut daran, das Thema Hautelastizität frühzeitig anzusprechen.
Was Sie selbst tun können
Ein „Ozempic-Gesicht“ ist keine zwangsläufige Folge der Therapie, sondern lässt sich durch die richtige Begleitung abmildern. Wer eine GLP-1-Behandlung plant oder bereits durchführt, sollte auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten, da Proteine die Grundlage für den Kollagenaufbau der Haut liefern. Auch eine konsequente Flüssigkeitszufuhr sowie eine hautunterstützende Pflege mit feuchtigkeitsbindenden und kollagenstimulierenden Wirkstoffen wie Hyaluronsäure, Retinol oder Vitamin C können die Elastizität des Bindegewebes fördern. Gerne beraten wir Sie in unserer Apotheke individuell zu geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln und Hautpflegeprodukten, die Sie während Ihrer Therapie sinnvoll begleiten können. Bei bereits sichtbarem Volumenverlust im Gesicht empfehlen wir eine fachärztliche dermatologische Abklärung, um gemeinsam die passende Behandlung für Sie zu finden.
Literatur
Mansour MR, Hannawa OM, Yaldo MM, Nageeb EM, Chaiyasate K. The rise of „Ozempic face“: analyzing trends and treatment challenges associated with rapid facial weight loss induced by GLP-1 agonists. Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery. 2024;96:225–227.

