Silvester und Geräuschangst bei Haustieren
Wie Sie Ihren Hund oder Ihre Katze sicher durch den Jahreswechsel begleiten
Viele Hunde – und auch manche Katzen – reagieren an Silvester sehr sensibel auf den ungewohnten Lärm, die Lichtblitze und die für sie intensiven Brandgerüche. Rund die Hälfte aller Hunde zeigt in dieser Zeit deutliche Stresszeichen. Angst entsteht dabei aus einer Mischung aus angeborener Stressreaktion und individuellen Erfahrungen. Manche Tiere sind von Natur aus ängstlicher, andere geraten erst durch wiederholte negative Erlebnisse aus dem Gleichgewicht.
Wenn plötzlich Böller knallen, läuft im Körper eine starke Stressreaktion ab: Die Pupillen weiten sich, Atmung und Herzschlag beschleunigen sich, viele Tiere hecheln, verweigern Futter oder versuchen zu fliehen. Andere erstarren regelrecht oder wirken übermäßig beschwichtigend. Damit Ihr Tier diese Phase besser bewältigen kann, ist ein gutes Zusammenspiel aus Umgebungsgestaltung, ruhigem Handling und – falls nötig – einer tierärztlich begleiteten medikamentösen Unterstützung entscheidend. Ein fester „Silvesterplan“ lässt sich allerdings nicht für jedes Tier im Voraus festlegen. Dosierung und Häufigkeit von Medikamenten müssen immer an die aktuelle Situation angepasst werden, die sich an den Festtagen schnell verändern kann.
Was Sie selbst tun können
Für viele Tiere hilft bereits eine gut vorbereitete Umgebung: geschlossene Rollläden, eine ruhige Rückzugsmöglichkeit, vertraute Geräusche und ein souveräner, gelassener Umgang Ihrerseits. Bei leichter Stressanfälligkeit können Nahrungsergänzungsmittel mit Pheromonen, bestimmten Aminosäuren oder B-Vitaminen dabei unterstützen, die innere Anspannung abzufedern. Sie ersetzen jedoch keine gezielte Therapie, wenn Ihr Tier ausgeprägte Angst zeigt.
Wenn Ihr Tier stärker belastet ist
Bei Hunden, die sich verstecken, nicht mehr nach draußen gehen möchten, Futter und Wasser verweigern oder sogar versuchen, panisch zu fliehen, sollte unbedingt tierärztlich abgeklärt werden, ob eine medikamentöse Unterstützung notwendig ist. Hier kommen unterschiedliche Wirkstoffe infrage, die jeweils auf andere Weise den Stresspegel senken können. Einige Präparate wirken direkt im Gehirn auf die Ausschüttung von Stresshormonen, andere dämpfen die Angst, ohne den Hund stark zu sedieren. Welche Option sinnvoll ist, hängt ganz vom individuellen Verhalten, dem Alter und der körperlichen Verfassung Ihres Tieres ab. Gemeinsam mit Ihrem Tierarzt lässt sich ein Schema finden, das Sie durch die Tage rund um Silvester sicher anwenden können.
Medikamentöse Therapie bei ausgeprägter Geräuschangst
Dexmedetomidin (z. B. Sileo® Gel)
- zugelassenes Mittel zur Linderung von Geräuschangst beim Hund
- reduziert über eine zentrale Wirkung die Freisetzung von Noradrenalin
- Anwendung über die Maulschleimhaut, maximal alle zwei StundenWichtig: korrektes Auftragen ist entscheidend, da Abschlucken die Wirkung vermindern kann.
Imepitoin (z. B. Pexion®)
- ursprünglich Epilepsiemedikament, nun auch zugelassen gegen Geräuschphobie
- wirkt angstlösend bei minimaler Sedation – gut geeignet für ältere Tiere
- wird zweimal täglich als Tablette gegeben und kann über mehrere Tage eingesetzt werden
Benzodiazepine (z. B. Alprazolam, Diazepam)
- keine spezifische Zulassung für Geräuschangst, daher Reserveoption, wenn andere Mittel nicht ausreichen
- wirken angstlösend, beruhigend und muskelentspannend
- Dosierung individuell und unbedingt tierärztlich zu überwachen
- Alprazolam eignet sich aufgrund des starken angstlösenden Effekts häufig besser
- Diazepam wirkt kurz und ist eher für den Notfall geeignet
Hinweis: Für alle genannten Medikamente ist ein tierärztliches Rezept erforderlich!
Und wie ist es bei Katzen?
Katzen zeigen Geräuschangst deutlich seltener – oder sie wird von ihren Besitzern schlicht weniger wahrgenommen. Während ein Hund oft zitternd und jammernd in der Ecke sitzt, zieht sich die Katze eher zurück, versteckt sich und wartet ab, bis der Lärm vorüber ist. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf die unscheinbaren Anzeichen: Frisst und trinkt Ihre Katze normal? Setzt sie regelmäßig Kot ab? Ein verminderter Kotabsatz über mehrere Tage kann schnell zu einer Verstopfung führen. Auch wenn Katzen unauffälliger wirken, sollten die üblichen Maßnahmen zur Geräuschreduktion – geschlossene Rollläden, Rückzugsmöglichkeiten und eine ruhige Umgebung – unbedingt getroffen werden. In schweren Fällen lassen sich grundsätzlich auch einige der für Hunde vorgesehenen Präparate unter tierärztlicher Anleitung umwidmen. Darüber hinaus greifen manche Halter zu pflanzlichen Produkten wie CBD-Ölen, Kräutertabletten oder Pheromonsteckern. Einige berichten über gute Erfahrungen, jedoch gibt es für diese Mittel bislang keine belastbare wissenschaftliche Evidenz. Vermutlich spielt hier der sogenannte Placebo-by-Proxy-Effekt eine gewisse Rolle – das heißt, die entspannte Haltung des Besitzers überträgt sich positiv auf das Verhalten der Katze.
Ein persönlicher Abschluss
Wenn es Ihnen möglich ist, verzichten Sie bitte auf privates Feuerwerk. Sie helfen damit nicht nur Ihrem eigenen Tier, sondern auch vielen anderen Vierbeinern in Ihrer Nachbarschaft, die den Jahreswechsel oft als große Belastung erleben.

