Piercings und Tattoos: Gut für die seelische Gesundheit?

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Piercings und Tattoos: Gut für die seelische Gesundheit?

Piercings und Tattoos: Gut für die seelische Gesundheit?

Tätowierungen und Piercings können sich positiv auf die seelische Gesundheit vor allem von Heranwachsenden auswirken. Darauf weisen nun Psychologen der Medical School Hamburg in der Fachzeitschrift „Psychotherapie im Dialog“ hin.

Dass in erster Linie junge Menschen dem Trend zur Körpermodifikation folgen, ist laut Erstautor Professor Dr. Erich Kasten wenig verwunderlich. Seit Jahrtausenden seien Tattoos und Piercings in verschiedenen Kulturen Teil einer Reifezeremonie.

In dieser „Aura des Rebellischen“, die Körperschmuck heute noch anhafte, vermutet Kasten den Reiz für junge Menschen. „Tattoos und Piercings lassen sich als ein in die Haut eingestanzter Ausdruck des eigenen Charakters interpretieren.“ Daran könnten junge Mensch reifen, erklärt der Experte. In Studien hätten Tattoo-Träger nach dem Stechen über ein deutlich höheres Selbstwertgefühl berichtet und sich attraktiver und besser in ihre Peergroup integriert gefühlt.

Bei jungen Menschen, die zu selbstverletzendem Verhalten neigen, schließen die Wissenschaftler sogar eine therapeutische Wirkung durch Körpermodifikationen nicht aus. Schmucknarben, Tattoos und Piercings könnten eine Art Ventilfunktion einnehmen und entlastend wirken, erklärt Kasten und berichtet von einer Studie, laut derer ein Viertel der Teilnehmer angaben, sich nach dem ersten Piercing weniger oft zu ritzen oder zu schneiden. Ein weiteres Viertel habe die Selbstverletzungen ganz aufgegeben.

Dennoch sollten die Risiken, die mit der Modifizierung von Körperteilen verbunden sind, nicht unbeachtet bleiben. Infektionen, Allergien und hormonelle Störungen zählten dazu ebenso wie das immer noch bestehende gesellschaftliche Stigma. Dazu kommt das Risiko bei Tätowierungen, das gewählte Motiv in einigen Jahren nicht mehr zu mögen. Das aufwendige und riskante Entfernen der Tattoos könnte laut Kasten dann der nächste Trend werden.

Literatur:

25.07.2017 / PZ

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