Multiresistenzen durch mangelnde Abwasserreinigung bei der Antiinfektiva-Herstellung

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Multiresistenzen durch mangelnde Abwasserreinigung bei der Antiinfektiva-Herstellung

Multiresistenzen durch mangelnde Abwasserreinigung bei der Antiinfektiva-Herstellung

Große Arzneimittel-Massenproduktionsanlagen in Indien könnten durch mangelnde Abwasserreinigung mit zur Entstehung multi-resistenter Bakterien beitragen. Etwa 20% der weltweit verkauften Generika (Generika: wirkstoffgleiche Kopien von Medikamenten, die unter einem Markennamen bereits am Markt befindlich sind) stammen aus Indien. Bei einem Großteil dieser Produkte handelt es sich um Antibiotika.

Dass eine falsche Anwendung von Antibiotika die Bildung multiresistenter Keime fördert, ist seit langem bekannt. Dass aber auch die Massenherstellung grundsätzlich nützlicher Heilmittel in einem nicht unerheblichen Ausmaß zur Entstehung von Krankheitserregern beitragen könnte, gegen die herkömmliche Wirkstoffe machtlos sind, lässt eine Analyse von Umweltproben aus Südindien vermuten. Es hat sich gezeigt, dass einige Pharmahersteller die Abfallentsorgung nicht ordnungsgemäß durchführen oder sogar Abwässer in die Umgebung entsorgen, was dazu führt, dass die Wasserqualität von Flüssen und Seen zunehmend unter der Verunreinigung durch Abfallprodukte aus der Arzneimittelherstellung leidet. Durch steigende Antibiotikakonzentrationen im Wasser wird ein Selektionsdruck auf Mikroorganismen ausgeübt, der wiederum die Entstehung gefürchteter multiresistenter Keime begünstigt.

Das könne dazu führen, dass gängige Arzneimittel zur Behandlung von Infektionskrankheiten, sog. Antiinfektiva, bei der Therapie nicht mehr wirksam anschlagen und Patienten im schlimmsten Fall versterben. Die Ausbildung von Resistenzen ist aber nicht nur für die indische Bevölkerung problematisch, sondern auch für Reisende. Zahlreiche Indien-Touristen kehren mit multi-resistenten Bakterien zurück, die sie vorher nicht hatten.

In ihrer Schlussfolgerung fordern die Autoren des Berichts zur Analyse von Umweltproben in Südindien eine strenge Einhaltung von Umweltgesetzen und eine angemessene Modernisierung von Fertigungseinheiten und Kläranlagen. Des Weiteren propagieren sie eine internationale Kennzeichnung des Ursprungs der Arzneimittel in einer für Apotheker, Ärzte und Verbraucher leicht verständlichen Art und Weise.

Abschließend sei in diesem Zusammenhang eine erfreuliche Nachricht nicht vorenthalten: Nicht alle im Rahmen der zitierten Studie entnommenen Proben waren kontaminiert. In einigen Testergebnissen konnte keinerlei Nachweis multiresistenter Keime erbracht werden – die zugrunde liegenden Proben stammten allerdings aus dem Leitungswasser eines Vier-Sterne-Hotels.

 

Literatur:

Lübbert C. et al. Environmental pollution with antimicrobial agents from bulk drug manufacturing industries in Hyderabad, South India, is associated with dissemination of extended-spectrum beta-lactamase and carbapenemase-producing pathogens. Infection. 2017. 45(4): 479-491.

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